Vom Übergang zur Mündigkeit – 475 Jahre Konfirmation

Ausstellung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

 

Die Welt in Aufruhr

Aufständische Bauern mit der Bundschuhfahne nehmen einen Ritter fest. Holzschnitt aus dem Trostspiegel, gedruckt 1572

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts brodelt es im Heiligen Römischen Reich. Martin Luthers Reformideen gehen wie ein Lauffeuer durch die Lande. Aus der »Freiheit eines Christenmenschen« (1520) leiten insbesondere die Bauern ihren Freiheitsanspruch ab. In Süddeutschland flammen im Frühjahr 1525 Aufstände auf, die weit um sich greifen. Doch schon Ende des Jahres sind sie besiegt. Der Reformationsprozess ist damit nicht dauerhaft gestoppt. Evangelische Fürsten gründen unter maßgeblicher Beteiligung Landgraf Philipps I. von Hessen 1531 den Schmalkaldischen Bund. Innenpolitisch streben die meisten die Errichtung einer Landeskirche an.

Im Gegensatz zu anderen Fürsten sucht Philipp den Ausgleich, speziell mit den Täufern. Der Straßburger Reformator Martin Bucer übernimmt für ihn die Vermittlung. Und Bucer findet in der Ziegenhainer Zuchtordnung von 1539 den entscheidenden Kompromiss: Die von den Täufern abgelehnte Kindertaufe bleibt, die bewusste Konfirmation im Jugendalter kommt hinzu. Tatsächlich kehren in Hessen viele Täufer in die – evangelische – Kirche zurück.

Die Reformideen Martin Luthers und andere gehen den Täufern nicht weit genug. Ihr Ziel ist eine vom Staat unabhängige Kirche, die sich als urchristliche Gemeinschaft organisiert. Die Zugehörigkeit beruht auf der bewussten Entscheidung des Einzelnen. Da Kinder oder gar Säuglinge dazu nicht fähig sind, plädieren die Täufer für die Erwachsenentaufe. Wegen ihrer Ablehnung der staatlichen Obrigkeit wird die Täuferbewegung im Heiligen Römischen Reich vehement bekämpft. Hersfeld ist damals eines der Täuferzentren. Landgraf Philipp lässt die Anhänger der Täufer aus Hessen ausweisen, verfolgt sie aber nicht mit der Todesstrafe.

Täufer oder Wiedertäufer?
Anfänglich werden sie Wiedertäufer genannt. Schließlich sind auch sie als Kinder getauft worden – als es die Bewegung noch nicht gibt. Wenn sie sich nun als Erwachsene erneut taufen lassen, werden sie »wieder« getauft. Inzwischen hat sich die Bezeichnung Täufer durchgesetzt.


Im niederländischen Märtyrerspiegel von 1660 wird die Geschichte von Anneken Hendriks erzählt und illustriert: Weil sie einen Täufer geheiratet hat, wird die Amsterdamerin 1571 gefangen genommen und verhört. Nachdem sie trotz tagelanger Folter niemanden verrät, wird ihr Mund mit Schwarzpulver gefüllt, sie auf eine Leiter gebunden und dann auf dem Scheiterhaufen öffentlich verbrannt.
Holzschnitt Hinrichtung Wieder- täufer, Universitäts- und Stadt- bibliothek Köln