Vom Übergang zur Mündigkeit – 475 Jahre Konfirmation

Ausstellung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

 

Freund und Feind


Landgraf Philipp I. von Hessen 1504 –1567
Bildnis des Landgrafen Philipp des Großmütigen von Hessen Heinrich Giebel, Marburg 1931, Universitäts-museum für Kunst und Kultur-geschichte.

Er wird mit 13 ½ Jahren Landgraf: Zügig übernimmt Philipp I. von Hessen die Regierung, reist als 16-Jähriger 1521 zum Reichstag nach Worms, lernt dort Martin Luther kennen. Dessen Thesen beeindrucken ihn. Im eigenen Land lässt er bald darauf evangelische Prediger zu, löst Klöster auf, errichtet Armen- und Krankenhäuser, gründet eine Universität.
Als einziger Fürst im Reich verfolgt er die Täufer nicht mit der Todesstrafe. Er setzt lieber auf Ausgleich. Weil ihm klar ist, dass er für theologische Diskussionen Fachleute braucht, holt er sich den Straßburger Theologen Martin Bucer. 1538 diskutiert dieser mit Führern der hessischen Täufer, anschließend entwirft er die Ziegenhainer Zuchtordnung. Politisch bringt Philipp es weit. Er gehört zu den Gründern des Schmalkaldischen Bundes. Doch dann stolpert er über eine Frauengeschichte. 1540 macht er seine Geliebte, Margarethe von der Saale, zur Zweitfrau, obwohl er seit 17 Jahren mit Christina von Sachsen verheiratet ist. Das schwächt seine Position. Kaiser Karl V. zwingt ihn zu Zugeständnissen, nimmt ihn nach dem Schmalkaldischen Krieg1547 gefangen. Als Philipp fünf Jahre später zurückkehrt, ist die Kirchenreform ins Stocken geraten.
Christina von Sachsen 1505 –1549
Ölgemälde der Margarethe von der Saale, das sie im Alter von 17 Jahren zeigt. Gemäldegalerie Alte Meister mhk Kassel
Es ist keine Liebesheirat zwischen Philipp von Hessen und Christina von Sachsen, sondern eine politische. Als sie am 11. Dezember 1523 getraut werden, ist sie kuz vor ihrem 18. Geburtstag und er 19. Knapp vier Jahre dauert es, bis die erste Tochter, Agnes, geboren wird. Es folgen weitere neun Kinder. Und obwohl Philipp sie »unfreundlich, hässlich und schlecht riechend« findet, traut er ihr einiges zu. Als Philipp fünf Jahre in Gefangenschaft Kaiser Karls V. ist, sitzt sie auf seinen Vorschlag im Regentschaftsrat, der ihrem jugendlichen Sohn Wilhelm beim Regieren hilft. Sie stirbt 1549 noch bevor ihr Mann wieder freigelassen ist.
Margarethe von der Saale 1522 –1566
Ausschnitt des Doppelbildnisses Landgraf Philipp der Großmütige und seine Gemahlin Christina, Philippsthal, Werra
Zwischen Philipp und Margarethe muss es heftig gefunkt haben. Philipp weiß genau, dass er sich auf dünnes Eis begibt. Aber er drängelt bei Martin Luther, Martin Bucer und Philipp Melanchthon so lange, bis die drei ihr Okay geben. Am 4. März 1540 heiratet er mit 35 Jahren die 17-Jährige. Ein Jahr darauf kommt das erste von neun gemeinsamen Kindern zur Welt. Beide Ehefrauen sind des öfteren zur selben Zeit schwanger. Margarethe lebt erst im Wasserschloss Wolkersdorf, dann in Spangenberg. Am Kasseler Hof darf sie sich Zeit ihres Lebens nicht blicken lassen.