Vom Übergang zur Mündigkeit – 475 Jahre Konfirmation

Ausstellung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

 

Freund und Feind

Martin Bucer, 1491 – 1551

Martin Bucer 1491 – 1551
Martin Bucer ist ein kluges Köpfchen. Der Handwerkersohn geht auf die Lateinschule, dann in den Dominikanerorden, schließlich zum Studium. Im April 1518 erlebt er Martin Luther in der Heidelberger Disputation. Fortan verschreibt er sich dessen Reformideen. Obwohl er noch katholischer Priester ist, heiratet er 1522 die ehemalige Nonne Elisabeth Silbereisen. Die beiden fliehen ins liberale Straßburg. Doch dort fasst der inzwischen Exkommunizierte schnell Fuß. Bald berät er in ganz Südwestdeutschland Städte und Länder bei der Einführung evangelischer Kirchenordnungen. Diesen Spezialisten holt sich Landgraf Philipp I. 1538 nach Hessen. Bucer diskutiert mit den Täufern, die die Kindertaufe ablehnen. Daraufhin erfindet er die Konfirmation: »Alle Kinder, wenn sie alt genug sind«, erhalten Katechismus- Unterricht und werden vom Pfarrer konfirmiert. Das wird in der Ziegenhainer Zuchtordnung 1539 erstmals beschrieben. Bucer ist weiter unermüdlich in Sachen Kirchenreform unterwegs. Dann zerstreitet er sich mit Kaiser Karl V. 1549 nimmt Bucer in Cambridge eine Professur an und arbeitet die Reform der anglikanischen Kirche aus. Aber er kommt mit Englisch nicht klar, wird krank. Seine zweite Frau zieht zu ihm und pflegt ihn die letzten zwei Jahre.
Martin Luther 1483 – 1546
Portrait Martin Luthers von Lucas Cranach d. Ä., Gotha, Schloss Friedenstein
Bergbau-Hüttenmeister Hans Luther ermöglicht seinem Sohn einen guten Start ins Leben. Er schickt ihn auf verschiedene Schulen und dann zum Studium nach Erfurt. Aus seinem Jurastudium schwenkt der Sohn allerdings um. Martin Luther tritt ins Augustinerkloster ein. Er zieht nach Wittenberg, wird dort Theologieprofessor und Provinzialvikar. Zunehmend setzt er sich mit der Bibel auseinander und kommt zu seiner ganz eigenen Glaubensauffassung. Luther ist der Handel mit Ablassbriefen ein Dorn im Auge. Er formuliert dagegen 95 Thesen. Weil er sie nicht widerruft, exkommuniziert Papst Leo X. ihn und Kaiser Karl V. verhängt die Reichsacht. Friedrich von Sachsen bringt Luther auf der Wartburg in Sicherheit. Dort übersetzt er das Neue Testament in deutsche Alltagssprache. Das Buch wird ein Renner. 1522 kehrt Luther nach Wittenberg zurück. Er löst sich aus dem Klosterleben, heiratet die ehemalige Nonne Katharina von Bora, entwickelt seine Vorstellungen weiter und veröffentlicht 1529 den kleinen Katechismus. Schwer krank schlichtet er 1546 im Eichsfeld einen Streit der Grafen von Mansfeld. Wenige Tage darauf stirbt er dort.
Portrait Kaiser Karls V. Bernard van Orley (Werkstatt), um 1525, Brügge, Schatzkammer der Kathedrale Sankt Salvator
Kaiser Karl V. 1500 – 1558
Als Karl V. mit 19 Jahren in Frankfurt/Main zum Herrscher des Heiligen Römischen Reiches gewählt wird, kursieren Luthers Wittenberger Thesen schon zwei Jahre und finden viele Anhänger. Karl dagegen will die katholische Kirche festigen. Auf seinem ersten Reichstag 1521 in Speyer versucht er höchstpersönlich, Luther von seinen Thesen abzubringen. Doch das gelingt nicht. Karl ächtet Luther. Karl ist zugleich König von Spanien und deshalb viel unterwegs. Erst 1530 ist er zurück, lässt sich auf dem Reichstag von Augsburg 1530 sogar die Ansichten der Evangelischgläubigen darlegen, bleibt aber bei seiner Haltung. Die evangelischen Fürsten schließen sich daraufhin 1531 zum Schmalkaldischen Bund zusammen. 1541 bekommt Karl auf dem Regensburger Reichstag Rückenwind, weil er Philipp I. von Hessen wegen seiner Zweitehe zu Zusagen gegen die evangelischen Fürsten zwingen kann. Karls Truppen gewinnen zwar den Schmalkaldischen Krieg 1547. Doch siegt nun der französische König Franz I. über Karl. Im Augsburger Religionsfrieden kann er 1555 nur noch klein beigeben. Frustriert dankt er 1556 ab.