Vom Übergang zur Mündigkeit – 475 Jahre Konfirmation

Ausstellung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

 

Wenn sie des Alters fähig sind...

Als erster überhaupt beschreibt Martin Bucer im dritten
Kapitel der Ziegenhainer Zuchtordnung die Konfirmation:

»Drittens sollen die Kirchenältesten und Pfarrer es ermöglichen und konsequent verfolgen, dass alle Kinder, wenn sie alt genug sind, in den Katechismus-Unterricht geschickt werden. Den Katechismus-Unterricht kann man überall zeitlich so legen, dass jeder seine Kinder unbeschwert dorthin schicken kann. Es ist die Aufgabe der (weltlichen) Obrigkeit alle dazu anzuhalten, den Unterricht zu besuchen. Denn wenn sie schon für jeden Menschen und seine Angehörigen zuständig ist und für Gehorsam zu sorgen hat – wie viel mehr noch ist sie dafür zuständig, darauf zu achten, dass Christus dem Herrn diejenigen zuführt, die von ihm erschaffen und in der heiligen Taufe auch übergeben und anvertraut worden sind, und dass sie so erzogen werden, dass sie ihm getreu leben.
Die Kirchenältesten und die Prediger sollen sich darum kümmern, dass die Kinder im Katechismus-Unterricht so weit gebracht werden, dass man sie guten Gewissens zum Abendmahl zulassen kann – und dass sie dem Pfarrer an einem hohen Fest wie Ostern, Pfingsten oder Weihnachten vor der ganzen Gemeinde an einem dafür festgelegten Ort von ihren Eltern und Paten vorgestellt werden. Die Kirchenältesten und alle anderen Diener des Wortes sollen um den Pfarrer herum stehen, wenn er die Kinder nach den wichtigsten Elementen des christlichen Glaubens befragt. Und wenn die Kinder ihre Antworten gegeben haben und sich öffentlich zu Christus, dem Herrn und seiner Kirche bekannt haben, dann soll der Pfarrer die Gemeinde dazu auffordern, den Herrn für diese Kinder um Beständigkeit und Mehrung des heiligen Geistes zu bitten. Dieses Gebet soll mit einer Kollekte beendet werden.
Nach alldem soll der Pfarrer den Kindern die Hände auflegen und sie so im Namen des Herrn konfirmieren und als Teil der christlichen Gemeinschaft bestätigen. Daraufhin soll er sie zum Tisch des Herrn bitten, verbunden mit der Ermahnung, sich treu und gehorsam ans Evangelium zu halten sowie die christliche Erziehung und Bestrafung seitens jedes Christen – vor allem aber von den Seelsorgern – immer offen anzunehmen und sich gehorsam nach ihr zu richten.« (Frei übertragen von Irene Graefe)
Anziehen wie die Erwachsenen. Die ersten langen Hosen für die Jungen, das erste festliche Kleid für die Mädchen: Traditionell handelt es sich bei der Konfirmationskleidung um ein neues erwachsenes Outfit. Die Mädchen trugen früher oft die ortsübliche Tracht der unverheirateten Frauen, die Jungen einen dunklen Anzug oder ebenfalls Tracht. Gerade in jüngster Zeit ziehen Jugendliche gern wieder festliche, dunkle Kleidung an, ähnlich wie auf Schulabschlussfeiern.
 
Der Konfirmationsschein ist ein wichtiges Dokument

Im 18. Jahrhundert legen junge Leute diese Urkunde sogar ihrer Bewerbung bei. Im 19. Jahrhundert wird sie oft wie ein Bild eingerahmt und aufgehängt.

Urkunde von 1853
Konfirmationsschein von 1887
Konfirmationsschein von 1907
Urkunde 1917
Urkunde 1919
Urkunde 1926
Urkunde 1943
Urkunde 1963
Urkunde 1996
2007

Konfirmationsurkunden

In Relation zu den bürgerlichen Rechten, Pflichten und Ämtern im Staat standen die kirchlichen Rechte und Zertifikate wie der Konfirmationsschein, das Patenamt und Kirchenvorstandswahl.

Die im Konfirmationsunterricht erlernten Grundlagen christlichen Glaubens wurden in einer Urkunde stolz bescheinigt. Das abgelegte öffentliche Examen untermauerte die förmliche Bedeutung der Konfirmation und Religionsmündigkeit.