Vom Übergang zur Mündigkeit – 475 Jahre Konfirmation

Ausstellung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

 

Silber, Gold, Diamanten

Die Feier nach dem Konfirmationsgottesdienst war und ist ein Familienfest. Ein Tag, an dem sich alles um den jungen Menschen an der Schwelle zum Erwachsensein dreht.

Im Mittelpunkt des Familienfestes steht oft ein gemeinsames Essen. Früher wurde zuhause gekocht, heute gehen viele Festgesellschaften ins Restaurant.

Die Gestaltung der Feier ist über die Jahrhunderte vom jeweiligen Zeitgeist geprägt, ebenso die Geschenke: Bibel und Gesangbuch finden sich zwar durchaus noch auf dem Gabentisch, daneben liegen aber Smartphones, Gutscheine oder Geldgeschenke. Aussteuer für die Mädchen oder Großvaters Taschenuhr für die Jungen haben dagegen an Wichtigkeit verloren.

Die silbernen, goldenen und diamantenen Konfirmationsjubiläen finden immer mehr Anklang.
Interview mit Helmut Hahn
Es war vor über 60 Jahren. Helmut Hahn erinnert sich noch gut, wie er mit 29 Jungen und Mädchen am 29. März 1953 in der Stephanskirche zu Schweinsberg von Pfarrer Otto Wolff konfirmiert wurde.

Welche Geschenke haben Sie damals bekommen?
Hahn: Von der Mutter den schwarzen Konfirmationsanzug, von den Gästen verschiedene kleine Geschenke – Strümpfe, Taschentücher und Unterwäsche.

Wo hat die Familie gefeiert?
Hahn: Zuhause. Das Schlafzimmer wurde ausgeräumt, sodass für etwa 20 Personen Platz war. Gekocht hat eine Nachbarin. Nach dem Kaffeetrinken gegen 18 Uhr war die Feier zu Ende.

Haben Sie heute noch Kontakt zu Ihren Mit-Konfirmanden?
Hahn: Ja, guten. Wir haben uns nach der Silbernen Konfirmation alle zwei Jahre getroffen. Die Mit-Konfirmanden, die nicht mehr in Schweinsberg wohnen, haben wir besucht – in Goslar, Heidelberg, Siegen, Rheda-Wiedenbrück und Stuttgart.


Konfirmation 1950
Konfirmation 1953
Konfirmation 1994
Konfirmation 1996
Diamantene Konfirmation
 

Ein Familienfest

Die Konfirmation war immer ein Teil evangelischer Kirchengeschichte, sie war stets beliebt und gilt als wesentliche Stütze der Volkskirche.

So ist auch die Feier nach dem Gottesdienst ein Familienfest geblieben - mit gemeinsamem Essen und (Tisch-)Reden, zu dem die Verwandtschaft anreist. An der Konfirmation nahm und nimmt die Gemeinschaft offensichtlich Anteil.

Ging früher im Anschluss der Konfirmierte durch den Ort, um den Gratulanten in der Nachbarschaft zu danken, werden heute noch Nachbarn und Bekannte oft zur Nachfeier am nächsten Tag, an dem die Konfirmierten schulfrei haben, eingeladen. Und ein stolzer Rückblick in Bildern gehört auch weiterhin genauso wie die Gruß-und Dankes-Karten dazu.

Die Geschenke stehen für den Wandel der Zeit: Das Evangelische Gesangbuch und die Bibel sind – einst als traditionelle Gaben der Paten - rückläufig. Früher waren Artikel für die Aussteuer der Mädchen oder die ersten Schmuckstücke beliebt, bei den Jungen konnten das auch Werkzeuge, ein Fahrrad oder die erste Uhr sein. Im ländlichen Raum wurden durchaus auch lebende Haustiere für den zukünftigen Haushalts-Grundstock mitgebracht.

Heute haben sich neben den üblichen Geräten der Kommunikations- und Unterhaltungselektronik Geldgeschenke und Gutscheine durchgesetzt.