Vom Übergang zur Mündigkeit – 475 Jahre Konfirmation

Ausstellung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

 

Anders und doch ähnlich


Firmung
Erstkommunion und Firmung
im katholischen Christentum


Erstkommunion und Firmung in der katholischen Kirche gelten wie die Konfirmation als Übergangsrituale und Bekräftigung des Glaubens. Die Festgottesdienste liegen in den Wochen nach Ostern (Weißer Sonntag). Zur Erstkommunion gehen die Kinder mit neun Jahren (3. Schuljahr), zur Firmung mit 14 Jahren. Voraussetzung für beides ist die Taufe, die dafür nachgeholt werden kann. Die Erstkommunion wird zusätzlich durch den Empfang des Bußsakraments (Beichte) vorbereitet. Taufe, Erstkommunion und Firmung bilden in der katholischen Kirche die drei Sakramente der christlichen Initiation, also der Eingliederung in die Gemeinschaft. In der evangelischen Kirche ist nur die Taufe ein Sakrament. Die Konfirmation hingegen ist eine Amtshandlung – eine Kasualie. Bei der Vorbereitung zu Erstkommunion und Firmung helfen Eltern, Religionslehrer, Seelsorger, Gemeindepädagogen und weitere Verantwortliche aus der Pfarrgemeinde den Kindern, in die Feier der Heiligen Messe hineinzuwachsen und sich auf den Empfang der Kommunion vorzubereiten. Vergleichbar der Handauflegung und Einsegnung bei der Konfirmation salbt der katholische Bischof die Stirn des Firmlings und erbittet den Heiligen Geist für den jungen Menschen. Seine Firmpaten legen ihm dabei die Hand auf die Schulter. Die Firmung ist wie die Konfirmation ein freiwilliges, eigenes Bekenntnis zur Taufe.

Bar-Mizwa und Bat-Mizwa im Judentum
Bar-/Bat-Mizwa
Mit ihrem 13. Geburtstag werden jüdische Jungen, mit ihrem zwölften Geburtstag jüdische Mädchen in ihrer Religion mündig. Dieser religiöse und geistige Einschnitt im Leben der Kinder am Beginn ihrer Pubertät wird mit einem Fest begangen. Sowohl die Zeremonie als auch der betreffende junge Mensch werden mit einem hebräischen Begriff bezeichnet: Bar Mizwa: Sohn des Gebotes, Sohn der Pflicht Bat Mizwa: Tochter des Gebotes, Tochter der Pflicht.

Voraussetzung für die Feier ist die Teilnahme am jüdischen Religionsunterricht und dass die Kinder mit den synagogalen Gottesdiensten vertraut sind. Im Einzelunterricht wird ein hebräischer Text gelernt, der während der Feier aus der Thora vorgetragen wird. Die Jungen und Mädchen müssen diesen Text übersetzen können und eine kleine Predigt darüber halten. Weiter wird ein besonderes Gebet mit Eltern und Verwandten vor dem offenen Thoraschrein gesprochen. Darin bekennt der Bar-Mizwa oder die Bat-Mizwa sich zu seinem/ihrem Glauben und seiner/ ihrer Gemeinde. Darauf folgt die Predigt des Rabbiners. Im Anschluss wird mit der Familie gefeiert.

Die Bar-/Bat-Mizwa, die im liberalen Judentum für jedes Kind einzeln stattfindet, wird seit gut 2 000 Jahren begangen. Sowohl Mädchen als auch Jungen traten zu ihrer festlichen Kleidung die Kippa, eine kleine runde Kopfbedeckung und – erstmals – den Gebetsschal Tallit. Bei orthodoxen Juden wird für zwölfjährige Mädchen eine Bat-Chajl-Feier (Tochter der Stärke) in der Gruppe ausgerichtet. Anstelle der Thora-Abschnitte werden Psalmen und Texte gelesen und es wird keine Predigt gehalten.

Weltliche Jugendweihe
Weltliche Jugendweihe

Die Jugendweihe am Ende der Schulzeit ist vor rund 160 Jahren in freidenkerischen und humanistischen Bewegungen in Abgrenzung zu Konfirmation und Firmung entstanden.
Besondere Bedeutung erlangte die Jugendweihe in der DDR. Auf Betreiben der Führung der KPdSU (Kommunistische Partei der Sowjetunion) wurde sie 1955 eingeführt. Wer nicht teilnahm, musste Benachteiligungen in Ausbildung und Beruf fürchten. Zwar sollte die Jugendweihe die kirchlichen Feiern völlig verdrängen, aber es gab durchaus Jugendliche, die sich firmen oder konfirmieren ließen – meist zusätzlich.
Mussten die Jugendlichen in der DDR ein Gelöbnis auf die deutsch-sowjetische Freundschaft und den Sozialismus ablegen, geht es bei Jugendweihen heute wieder um humanistische Werte. Auch der Jugendweihe geht eine Vorbereitung in Gruppen voraus.