Vom Übergang zur Mündigkeit – 475 Jahre Konfirmation

Ausstellung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

 

... kommt nicht von Mund

»Wenn sie alt genug sind«, sagt die Ziegenhainer Zuchtordnung über den Zeitpunkt, zu dem Kinder konfirmiert werden sollen. Das ist nach damaligem wie heutigem Verständnis im Alter von 14 Jahren. Jugendliche sind in diesem Lebensabschnitt in der Lage, Verantwortung zu übernehmen und mündige Entscheidungen zu treffen. Das dürfen sie auch – sowohl im kirchlichen als auch im gesellschaftlichen Umfeld.

In der Kirche: Mit 14 Jahren sind Jugendliche religionsmündig. Das heißt, sie dürfen sich selbstständig entscheiden: für oder gegen eine Kirchenmitgliedschaft, über ihre Teilnahme am Religionsunterricht in der Schule. Die meisten evangelischen Jugendlichen werden mit 14 konfirmiert. Danach dürfen sie Pate werden. Seit 2009 können Jugendliche in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck mit 14 Jahren wählen (erstmals zur Kirchenvorstandwahl 2013), nachdem 1995 das Alter bereits von 18 auf 16 Jahre gesenkt worden war. Mit 18 Jahren dürfen sich die jungen Mitglieder auch zur Wahl stellen.

In der Gesellschaft:

  • Mit 14 Jahren gilt man als
    Jugendlicher, nicht mehr als Kind.
  • Jugendliche sind beschränkt strafmündig.
  • Zwischen 5 und 23 Uhr dürfen sie ohne erwachsene
    Begleitung in eine Gaststätte gehen und ein
    Getränk und eine Mahlzeit bestellen.
  • Jugendliche dürfen ein (Betriebs-)Praktikum
    absolvieren.
  • In Hessen endet nach neun Schulbesuchsjahren
    die Schulpflicht – die meisten sind dann 14.
mündig kommt von munt
Althochdeutsch »munt« und lateinisch »manus« für Hand sind verwandt. Im Übertragenen bedeutete Mündigkeit im Mittelalter: Der Hausherr bietet Frau, Kindern und Gesinde Schutz nach außen sowie Fürsorge im eigenen Haus. Junge Männer wurden in der Regel mit 21 Jahren, Mädchen mit der Heirat, Kinder auf dem Land mit zwölf bis 14 Jahren mündig. In Deutschland werden heute junge Menschen mit 18 Jahren volljährig.
 

Mündig

in der Kirche

Mit 14 Jahren sind Jugendliche vor dem Gesetzgeber religionsmündig.
Das aktive Wahlrecht, das 2009 in der EKKW von 16 auf 14 Jahre herabgesetzt wurde, ist nicht an die Konfirmation gebunden, sondern an die Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche.

Mit 16 Jahren können Jugendliche die Ausbildung zum Jugendleiter mit der Juleica (Jugendleitercard) abschließen, schon vorher – nach der Konfirmation - können sie ehrenamtliche Konfirmandenmitarbeiter, KoMit, werden.

Mit 18 Jahren verfügen Mitglieder über das passive Kirchenwahlrecht, sie können sich in den Kirchenvorstand wählen lassen.

in der Gesellschaft

Mit 6 Jahren unterliegen Kinder der Allgemeinen Schulpflicht, die 1717 zunächst in Preußen eingeführt und 1919 in der Weimarer Verfassung für ganz Deutschland verbindlich wurde.
Die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle) für Medien ist in die Altersstufen O, 6, 12 und 16 Jahre unterteilt.

Mit 16 Jahren wird der Besitz eines Personalausweises zur Pflicht, das allgemeine Beschäftigungsverbot endet, die Fahrberechtigung für Kleinkrafträder Kl. A1, AM kann erteilt werden, es gilt eine beschränkte Ehemündigkeit, in einigen Bundesländern wie Niedersachsen, NRW und Berlin tritt das Kommunalwahlrecht in Kraft.

Mit 17 Jahren ist das Begleitete Fahren mit dem KFZ erlaubt.

Mit 18 Jahren mit Beginn der Volljährigkeit und vollen Geschäftstätigkeit gilt die uneingeschränkte Fahrerlaubnis, im Strafrecht gibt es noch die Stellung als Heranwachsender.

Mit 21 Jahren gilt die volle strafrechtliche Verantwortlichkeit, bei Ehegatten ist das Mindestalter für eine Adoptionsberechtigung erreicht.