Vom Übergang zur Mündigkeit – 475 Jahre Konfirmation

Ausstellung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

 

Zusammen kommen...

»Die Kirchenältesten und die Prediger sollen sich darum kümmern, dass den Kindern im Katechismus- Unterricht so viel beigebracht wird, dass man sie guten Gewissens zum Abendmahl zulassen kann«, heißt es – in heutige Worte gefasst – in der Ziegenhainer Zuchtordnung.

Nach Prüfung und Konfirmation sollen die Mädchen und Jungen zum Abendmahl eingeladen werden. Bis heute wird im Konfirmationsgottesdienst oder am Abend zuvor das Abendmahl gefeiert.

2009 hat die Synode der Evangelischen Kirche von Kurhessen Waldeck bestätigt, dass die Zulassung zum Abendmahl nicht an die Konfirmation geknüpft ist. Daraus folgt: Die Jugendlichen können sich schon vor der Konfirmation mit dem Sakramentsgottesdienst vertraut machen.

Abendmahl mit Kindern in der Diskussion
Die Einführung des Abendmahls mit Kindern gibt Anlass zur theologischen Auseinandersetzung: Es stellt sich die Frage, ob damit – entgegen der Absicht der Ziegenhainer Zuchtordnung – die Bedeutung der Konfirmation abgewertet wird. Die reformatorische Position der mündigen Bekräftigung des Taufbekenntnisses würde damit geschwächt. Befürworter sagen: Niemand, der getauft ist, darf vom Abendmahl ausgeschlossen sein.
 

Zum Abendmahl

Schon Luther war daran gelegen, die Zulassung zum Abendmahl mit einem „Abendmahls-Verhör“ zu koppeln. Diese Ansicht machte bei den reformatorischen Bestrebungen, so wie sie schließlich in der Ziegenhainer Zuchtordnung festgelegt wurden, die Konfirmation zur Voraussetzung für die Abendmahls-Teilnahme.
Auch heute noch wird häufig im Konfirmationsgottesdienst das Abendmahl gefeiert; in vielen Gemeinden findet aber ein Abendmahlsgottesdienst am Vorabend der Konfirmation statt.

Seit 1968 ist es rechtlich möglich, dass Jugendliche schon während ihrer Konfirmandenzeit Abendmahl feiern. Kirchenvorstände können aufgrund des Synodalbeschlusses von 1981 entscheiden, dass Kinder und Jugendliche nach vorheriger Unterweisung und Vorbereitung am Abendmahl im Gottesdienst teilnehmen dürfen. 2009 hat die Synode nochmals bekräftigt, die Zulassung zum Abendmahl nicht länger an die Konfirmation zu knüpfen, sondern Möglichkeiten früherer Zugänge zuzulassen.

Die einübende Teilnahme am Abendmahl ist generell sinnvoll. Gemeinden sollten Konfirmandinnen und Konfirmanden schon vor der Konfirmation Möglichkeiten einräumen, mit dem Abendmahl vertraut zu werden. Dies kann z. B. im Rahmen eines Gottesdienstes auf einer Freizeit zum Thema »Abendmahl« geschehen. Damit erleichtern sie den Konfirmandinnen und Konfirmanden den Zugang zu diesem Sakrament und lassen sie in einem geschützten Rahmen Erfahrungen damit sammeln.