Vom Übergang zur Mündigkeit – 475 Jahre Konfirmation

Ausstellung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

 

...in die Welt

Konfirmation auf der ganzen Welt. Südafrika, Estland, Indien: Wo immer auf der Welt Konfirmation gefeiert wird, ist das in der Ziegenhainer Zuchtordnung entworfene Ritual wiederzuerkennen – aber jeweils gepaart mit den Besonderheiten des Landes. Einblicke in die Konfirmationsfeiern dreier Partnerkirchen der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck:


Estland
Es war überhaupt das erste Buch in estnischer Sprache: ein Katechismus Luthers im Jahre 1525. So hat die Reformation in Estland eine fast genauso lange Tradition wie auf deutschem Gebiet. Heute ist die Mehrheit der Christen in Estland Mitglied der Estnischen Evangelisch- Lutherischen Kirche.

Bis zu dreimal im Jahr wird der dreimonatige Konfirmandenunterricht in den Gemeinden angeboten. Dazu sollen möglichst viele Gottesdienste besucht werden. In rund 20 Unterrichtseinheiten von je eineinhalb Stunden werden die Themen Bibel, Jesu Leben und Lehre, der kleine Katechismus, die Sakramente, die Geschichte der Urkirche, die Kirchenfeste, das Gemeindeleben, der Gottesdienst und Gebrauch des Gesang- und Gebetbuchs behandelt. Der Unterricht wird vom Gemeindepfarrer abgehalten, zum Teil unterstützt vom Organisten oder anderen Ehrenamtlichen. Zum Abschluss des Kurses wird ein feierlicher Konfirmationsgottesdienst mit der Einsegnung der Konfirmanden gefeiert. Partnerschaft mit der Estnischen Evangelisch- Lutherischen Kirche

Konfirmationsfeier in der Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche.

Indien
Zwei bis drei Stunden Konfirmationsgottesdienst und anschließend ein großes Fest mit bis zu 500 Gästen: Das ist Konfirmation in Indien.

Im August/September beginnt der dreimonatige Unterricht für die 17 bis 25 Jahre alten Konfirmanden und Konfirmandinnen. Am Ende müssen die jungen Erwachsenen genau 51 Fragen beantworten können. Auf dem Lehrplan stehen: Katechismus, die Sakramente Taufe und Abendmahl, Struktur der Kirche, biblische Geschichten, praktische Einsätze wie die Pflege des Kirchengeländes und zu Weihnachten die Kirchendekoration. Darüber hinaus geht es um Fragen der Sexualmoral oder inwieweit Verliebtsein eine Voraussetzung für die Ehe sein kann. Schließlich werden Ehen in Indien noch immer arrangiert.

Zum Konfirmationsgottesdienst in der Adventszeit haben die Mädchen weiße Saris, die Jungen weißes Hemd und weiße Hose an. Im Gottesdienst tragen sie die auswendig gelernten 51 Antworten vor. Die Konfirmation geschieht durch die Handauflegung des Bischofs.

Nach dem Gottesdienst gratulieren die Gemeindeglieder. Das Familienfest zuhause beginnt mit einer Andacht, für die der Pfarrer von Haus zu Haus geht. Zu den Gästen zählen Verwandte, Freunde, Gemeindeglieder und Nachbarn über alle religiösen Grenzen hinweg.

Konfirmationsfeier in der Church of South India – Karnataka Northern Diocese

Südafrika
Die Konfirmation gilt als wichtiger Meilenstein für das soziale und religiöse Leben in Südafrika. Die Konfirmanden nennen ihren Pastor wie die anderen Gemeindeglieder Moruti (Lehrer). Im Konfirmandenunterricht geht es vor allem um die Vermittlung von Luthers Katechismus. Zur Konfirmandenprüfung, einen Tag vor der Konfirmation, kommen die jungen Christen ganz in Weiß gekleidet. Im Mittelpunkt stehen die Zehn Gebote und ihre Auslegung durch den Reformator.

Die Konfirmation selbst ist dann ein rauschendes Fest vom Morgen bis zum Abend. Auch wenn alle Konfirmanden feierlich in schwarz gehüllt und sehr stolz sind, wird sehr viel gelacht – auch im Gottesdienst. Feierlicher Ernst und ausgelassene Freude halten die Balance.

Der Gottesdienst dauert fünf Stunden – von den zahlreichen Chorbeiträgen aller Altersgruppen bis hin zum ersten Abendmahl im Leben der jungen Männer und Frauen ist es ein langer und heißer Vormittag.

Konfirmation in Südafrika ist für den Pastor Schwerstarbeit. Gleichzeitig freut er sich, bis zum Abend noch zu den Konfirmationsfamilien zu gehen, wo große Zelte aufgebaut sind und teilweise über hundert Gäste feiern.

Konfirmationsfeier in der Evangelisch Lutherischen Kirche im südlichen Afrika